Die Schülerzeitung OSSCAR

Mehr als Glaube, Hoffnung, Liebe – oder warum der OSSCAR so erfolgreich ist.
Der OSSCAR ist jung und frisch, das hat er mit vielen anderen Schülerzeitungen gemeinsam. Er lebt wie diese von der Kreativität seiner Redakteure. Und selbst wenn die ein Thema aufgreifen, dass bereits vor Jahren frühere Generationen von Schülern umgetrieben hat, so haben sich, um mit Einstein zu reden, vielleicht nicht die dahinter stehenden Fragen verändert, aber die Antworten, die die aktuelle Redaktion findet.

Der OSSCAR ist auch alt, das unterscheidet ihn von anderen Schülerzeitungen. Gerade eben haben wir im 17. Jahr die 53. Ausgabe herausgebracht. Und das bedeutet natürlich auch, dass sich hinter unserer Zeitung ein großes, über die Jahre entwickeltes Know-how verbirgt. Die Redakteure rekrutieren sich aus mindestens 4, zuweilen auch aus 8 Altersstufen. So werden das erworbene Wissen und Niveau ständig weiter gegeben: Aus der Heterogenität entsteht Kontinuität, deren Ergebnis wiederum ist eine hohe Professionalität.

Der OSSCAR ist erfolgreich, das hebt ihn aus der Menge der Schülerzeitungen heraus. Er ist sogar die beste Schülerzeitung in Hamburg. Wichtige Gründe für diesen Erfolg habe ich benannt, das Prinzip Glaube-Hoffnung-Liebe spielt dabei allenfalls eine untergeordnete Rolle.

„Glaube, Hoffnung, Liebe, aber die größte unter ihnen ist die Liebe!“ – Sorgfältige Recherche und Liebe zum eigenen Thema sind die Grundzutaten für einen gelungenen Artikel, und dass zur Liebe häufig auch Schmerz und Qual gehören, ist ständige journalistische Erfahrung. Ist die Arbeit im Glauben, sein Bestes geleistet zu haben, vollbracht, kommt die Hoffnung, von den Lesern auch richtig verstanden zu werden: Dass er sich unterhalten oder informiert fühlt, dass er den Grund der Aufregung, der Kritik oder der Anregung versteht und die Argumentation nachvollziehen kann.

Glaube, Hoffnung, Liebe sind auch die Themen, die viele junge Menschen in ihrer Sturm-und-Drang-Phase besonders bewegen. Und manche drängt es so sehr, dass sie beschließen, eine Schülerzeitung zu gründen, um in der ersten Ausgabe dem Glauben (und der Religion) in aller Tiefe nachzuspüren, in der zweiten der Hoffnung (und Zukunftsutopien) und in der dritten…, aber die gibt es häufig schon nicht mehr (dabei ist doch die Liebe die größte unter ihnen). Diese ersten Produkte sind oft von bemerkenswerter Qualität, sowohl inhaltlich als auch formal. Es haben sich fünf Freunde zusammengetan, die etwas zu sagen haben, die stilsicher formulieren können und mindestens einen dabei haben, der das neueste Lay-out-Programm auf seinem Laptop hat und virtuos damit umzugehen versteht. Beispiele für derartige Schülerzeitungen sind „Sophie´s Unterwelt“, der ungeliebte Bankert der Sophie-Barrat-Schule, und der „AThae-ist“ des Albrecht-Thaer-Gymnasiums, die kurzfristig für Aufmerksamkeit sorgten und (ich werde es gleich wieder zurücknehmen) den OSSCAR wie einen Breitensportler unter Profis aussehen ließen.

Breitensport soll Menschen bewegen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und das eine oder andere Fettpolster wieder in Muskelmasse verwandeln. Breitensport ist gesund. Wenn OSSCAR also eine Breitensport-Veranstaltung ist, so ist das gut für alle, die daran teilnehmen. Und es ist gesund für den Organismus CvO. Ihm wird auf den Zahn und der Puls gefühlt, und er erfährt, wo er aus Sicht der Schüler Fett angesetzt hat. Hier wird nicht die Welt, aber eben die Schule bewegt. Manchmal wird auch gelobt und wertgeschätzt, identitätsstiftend Öffentlichkeit hergestellt, wenn über so schulbewegende Dinge wie den Osterhasen-Cup, die Qualität des Mensa-Essens oder das letzte Rock-Pop-Workshop-Konzert berichtet wird. Oder die Schulleitung nimmt in einem Interview Stellung zu neue Tendenzen der internen Schulentwicklung, oder ihr wird in einem Artikel zurückgemeldet, dass die Veränderung des Tutorensystems nicht von allen Schülern gleichermaßen gut geheißen wird:

Unterhalten, informieren, aufregen, kritisieren, anregen.

Wenn wir mal wieder einen Preis gewonnen haben, und im Anschluss an die Preisverleihung mit „erfahrenen Chefredakteuren bundesweit publizierter Printmedien“ sprechen, werden wir gern auf diese Themen zurückgewiesen, hier besäßen wir ein „Alleinstellungsthema“, hier wären wir die einzig Kompetenten. Und regelmäßig schreien die OSSCARRedakteure auf, mit Recht. Natürlich gehört in eine Schülerzeitung auch ein Interview mit der Schulsenatorin, ein Bericht über die Michael-Stich-AIDS-Stiftung, ein Essay „60 Jahre nach Auschwitz“, tiefschürfende Gedanken zu „Will you still need me, will you still feed me, when I´m sixty-four“, und natürlich darf auch im OSSCAR über Glaube, Hoffnung, Liebe nachgedacht werden.

Wie schon erwähnt, ist der OSSCAR bei der53. Ausgabe angekommen (also nur noch knappe 4 Jahre bis zur Ausgabe SIXTY-FOUR). Ließe sich diese Ausdauer gerade noch mit Breitensport erklären, so widerspricht dem längst unser hoher Qualitätsstandard, der sich nicht zuletzt darin widerspiegelt, dass der OSSCAR im letzten Jahr zum dritten Mal hintereinander den ersten Preis beim Schülerzeitungswettbewerb der Länder auf Landesebene gewonnen und damit den Hat-Trick perfekt gemacht hat. Spitze rekrutiert sich eben dauerhaft nur aus der Breite. Um die Mesut Ösils zu entdecken, muss man auch auf die Bolzplätze von Gelsenkirchen-Bulmke gehen. Will man gute Schülerzeitungsredakteure, braucht man Scouts vor Ort. Da aber Deutsch-, PGW- oder Bildende Kunst Lehrer häufig Konkurrenten sind, braucht es eine eigene Anlaufstelle für Nachwuchsjournalisten. Das ist der Wahlpflicht-Kurs „Journalistisches Schreiben“, kurz der „OSSCAR-Kurs“ in der Mittelstufe.

Aus dem breiten Angebot an WP-Kursen des CvO und damit eben in Konkurrenz zu anderen können Schülerinnen und Schüler diesen Kurs wählen. Er bleibt ihnen bis zum Abitur offen. In dem Kurs treffen sie auf zwei anleitende Lehrer, Herrn Eilts und Herrn Lojewsky, eine in der Regel aus drei Personen bestehende Chefredaktion und aus Vorjahren erfahrene Redakteure. Ggf. werden die jungen Nachwuchskräfte bei der Themenfindung unterstützt. Dann geht es nach dem Prinzip learning-by-doing an den ersten eigenen Artikel. Wenn der nicht gleich gelingt, erhalten sie Tipps und Anregungen oder sie kommen in eine Schreibwerkstatt, wo sie Schritt für Schritt in unterschiedliche Darstellungs-Formen (z.B. Bericht, Reportage, Interview, Glosse und Kommentar) eingewiesen werden. Das übernimmt eine der beiden Lehrkräfte. Das fertige Produkt wird der Chefredaktion vorgelegt und ggf. mit ihr verfeinert. Daran schließt sich die Gestaltung, das Lay-out des Artikels an. Hierzu gibt es wiederum einen Lehrgang; Ziel dieses Lehrgangs ist es, Möglichkeiten der Gestaltung kennenzulernen, um mitbestimmen zu können, wie das Endprodukt auszusehen hat (Überschrift, Untertitel, Absatzgestaltung, Bilder und Bildunterschriften).

Nach einigen Durchgängen soll jeder in der Lage sein, das Lay-out selbst zu übernehmen, wobei die Chefredaktion sich wiederum vorbehält, Änderungen vorzunehmen. Aktuell arbeitet der OSSCAR mit dem Programm InDesign, bei dem es eine Menge zu entdecken gibt. Das so entstandene vielfältige Know-how wird auf diese Weise innerhalb der Redaktion von den „alten Hasen“ ständig weitergegeben:

Schüler lernen von Schülern. Sie lernen, dass Recherche nicht nur bedeutet zu „googlen“ oder bei Wikipedia nachzuschlagen, sondern alle verfügbaren Quellen zu nutzen, insbesondere sich umzuhören oder bestimmte Personen gezielt zu fragen; sie lernen Informationen zu ordnen und zu gewichten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich um klare Formulierungen zu bemühen; sie lernen, dass gestalterische Elemente die Informationsaufnahme fördern können, sodass ihr Einsatz planvoll zu erfolgen hat. Und jeder lernt das aufregende Gefühl kennen, mit eigenem Namen für einen selbstverfassten Artikel zu zeichnen und sich der Kritik der anderen Redakteure, der Mitschüler und der Schulöffentlichkeit zu stellen. Mancher merkt bald, dass das eigene Schreibtalent oder auch die eigene Kreativität nicht ausreicht, und steigt nach einem Jahr wieder aus. Andere werden mutiger mit der Zeit und trauen sich an immer größere Aufgaben und Formate heran.

Diejenigen Jungredakteure, die sich durch besonderes Können und Engagement auszeichnen, die also das Potential haben und bereit sind, die Sphäre des Breitensports zu verlassen und aufzusteigen in die Klasse der Leistungssportler, werden von den betreuenden Lehrern aufgefordert, in der Chefredaktion mitzumachen. Sie können zunächst bei der Endredaktion mitwirken, indem sie die Artikel anderer Redakteure inhaltlich betreuen oder sie können beim Lay-out einhelfen und zusammen mit dem Redakteur Verbesserungen entwickeln. Eine besonders wichtige Rolle übernehmen die, die beim Einwerben von Anzeigen mitmachen. Denn längst entsteht das fertige Produkt OSSCAR nicht mehr am Kopierer in der Schule, sondern als professioneller Druck außer Haus. Die Kosten lassen sich durch den Verkauf nicht mehr decken, man ist dringend auf zusätzliche Einnahmen aus Werbung angewiesen. OSSCAR ist damit seit Längerem eine Schülerfirma, der es übrigens inzwischen auch dank gewonnener Preisgelder recht gut geht, nachdem es allerdings auch schon mal recht prekär aussah. Nun kann man über Investitionen wie z.B. einen neuen Laptop, eine neue Kamera oder ein neues Diktiergerät für die Redaktion mitentscheiden. Auch diese Art von Verantwortung kann man also bei einer Schülerzeitung lernen.

Wenn der Normalredakteur schon zu Hause ist, kämpft die Chefredaktion noch damit, welcher Artikel zur Titelstory gemacht wird, wie die Gestaltung des Covers aussehen könnte, welche Artikel geschoben oder gestrichen und welche mit ihrer Unterstützung noch ausgebaut werden sollten. Später wird die Reihenfolge der Rubriken und Artikel festgelegt und bis zuletzt ist dann der Chef vom Dienst mit letzten Korrekturen beschäftigt. Es ist ein langer Prozess bis schließlich der komplette OSSCAR am Computer hochgeladen und an die Druckerei geschickt werden kann. Abschließend koordiniert die Chefredaktion die interne Werbung und organisiert an zwei Tagen den Verkauf, für den wiederum „Auge in Auge“ mit dem Kunden die gesamte Redaktion zuständig ist. So übernehmen alle wieder die Verantwortung für den notwendigen auch wirtschaftlichen Erfolg. Ein wenig hat sich der Verkauf dadurch entspannt, dass seit zwei Jahren ein OSSCAR-Abo angeboten wird, das von Schülern und Lehrern sehr gut angenommen wird.
Die Rolle der beiden Lehrer schwankt zwischen Ratgeber, Betreuer und Herausgeber. Eine Zensur üben sie nicht aus, die Verantwortung für die Artikel liegt beim Redakteur und der Chefredaktion, in kritischen Fällen beraten die Lehrer. Eine Zensur wird von den Lehrern gleichwohl vergeben. Diese Zensuren sind ausgleichsfähig wie andere auch, von Oberstufenschülern können sie in die Gesamtqualifikation für das Abitur eingebracht werden. Das außerordentliche Engagement der Mitglieder der Chefredaktion wird gesondert auf dem Abi-Zeugnis gewürdigt, dies kann mitunter mehr Wert sein als eine bestimmte Zensur. Diese Einbindung in den Regelunterricht ist die entscheidende Konstruktion, die den dauerhaften Bestand und letztlich auch den nachhaltigen Erfolg der Schülerzeitung OSSCAR sichert.